Schützenfest in Garrel und auswärts
Das Garreler Schützenfest ist seit je her der Dreh- und Angelpunkt des Vereins- und häufig auch des Ortslebens, auch schon in Zeiten des Kriegervereins: ein echtes Volksfest. Daher finden sich viele Details zu diesen jährlichen Höhepunkten auch verteilt auf verschiedene Kapitel der Chronik. Hier jedoch werden noch einige weitere Details zusammengestellt, die die Geschichte des Fests und seine Modalitäten umschreiben.
Zunächst habe man in den Anfangsjahren auf Tebben-Kamp (Kamp = abgegrenztes Feldstück, Acker, Wiese, manchmal auch hochgelegen) gefeiert, später auf Osterlohs Kamp und dann auf Rickwärtz‘ (heute Restaurant ‚Kalli‘) Wiese. Dort wurde 1915 unter den Eichen an der Weide ein Schießstand errichtet und auch mit Infanteriemunition scharf geschossen, auf Entfernungen von 100 bis 150m, stehend freihändig, teilweise auch knieend. Für den Mann, der die Treffer anzuzeigen hat, wird seitwärts ein Loch in die Erde gegraben, wo er bei der Schussabgabe Deckung sucht. Wer damals König wird, ist schnell erklärt: Der beste Schütze ist Schützenkönig des Jahres.
Später zog das Fest dann um auf das Grundstück von Spieker Thoben (Bernhard Thoben) an der Sager Straße. Nachdem diese bebaut wurde, wechselte man zur Wiese von Zeller Göken, ebenfalls an der Sager Straße. Von dort aus folgte der bisher letzte Umzug auf den Schützenplatz, wie wir ihn auch 2026 noch kennen.
Festwirt ist heutzutage bereits seit vielen Jahrzehnten der Zeltbetrieb Ernst Kemper. 1924 noch liefert ein Herr Badege aus Quakenbrück das Festzelt zum Schützenfest (1927: Dumstorf Friesoythe) und zahlt für die Pachtung der Wirtschaft 300 Mark und den Tanzscheinverkauf. Vereinsmitglieder transportieren das Festzelt damals mit Fuhrwerken vom Bahnhof zum Festplatz. Die Fischbude wird Georg Schönig für 77 Mark, die Spielbude Eduard Janzen für 41 Mark, die Wurstbude Carl Tabeling für 60 Mark, der Südfrüchtestand Frau Meinus für 60 Mark und der Fahrradstand für 25 Mark sowie der „Hau den Lukas“ für 5 Mark Herrn Renschen zuschlagen. Diese Budenverpachtung findet sich für viele, auch frühe Vereinsjahre noch in den Unterlagen der Gilde.
Der Schützenkönig erhält seinerzeit vom Verein 25 Mark, muss aber den Mitgliedern bei der nächsten Generalversammlung 50 Liter Bier spendieren. Sofern beim Schützenfest etwas übrig bleibt, werden die Gelder gern der Kirchengemeinde zugeführt oder für die örtlichen Denkmäler eingesetzt.
Schon 1976 und 2001 berichten die Chroniken davon, dass das jährliche Schützenfest nicht nur Highlight des Vereinslebens ist, sondern auch des gesellschaftlichen Lebens in der Gemeinde insgesamt. Das ist bis heute so geblieben. Nicht umsonst wird das Schützenfest auch gern als „fünfte Jahreszeit“ bezeichnet.
Schon weit vor dem eigentlichen Schützenfest beginnen die Planungen und Vorbereitungen. Der Kompanie V Ort ist es bis heute zu verdanken, dass der Ort festlich geschmückt wird. Vom Eröffnungsgottesdienst am Samstag geht es über die Kranzniederlegung am Kriegerehrenmal ins Festzelt, um dort Freibier, Stimmung und die Performance des Musikvereins zu genießen. Verschiedene Ehrungen und besondere Auszeichnungen rahmen diesen ersten Tag, der mit einer großen Party im Zelt endet.
Sonntags findet das große Kinderschützenfest mit festlichen Umzügen durch den Ort statt. Die fünf Kompanien gestalten hierzu in jedem Jahr neue Festumzugswagen, auf denen ein aktuelles Thema dargestellt wird. Mit bunt geschmückten Festwagen nehmen die Jüngeren am Umzug teil.
[Foto 136: Die Mottowagen der Kompanien sind bei allen Kindern beliebt]
Die Kinderkönige mit ihren Hofstaaten werden feierlich in Pferdekutschen zum Festplatz gefahren. Dort findet anschließend die festliche Inthronisation des neuen Kinderkönigs statt. Nach einer kleinen Pause beginnt dann das Insignienschießen mit anschließendem Adlerkönigsschießen. Sobald der Adler fällt, wird der neue Schützenkönig ausgerufen und seine Königskompanie sowie die gesamte Festgesellschaft ziehen ins Zelt ein.
Damals wie heute ist der Montag der Haupttag des Schützenfestes und beginnt schon frühmorgens um 6 Uhr mit dem traditionellen Antreten zum Wecken beim Vereinslokal, beim Präses der Schützengilde, bei den Schützenmajestäten und bei den Kompanielokalen.
[Foto 175: Abholen der ‚Kompanie Kirche‘ am Schützenfestmontag 2019]
Es folgt der Empfang der Gemeinde beim Rathaus mit dem feierlichen Hissen der Flaggen durch den Bürgermeister.
[Foto 176: Eintreffen der Schützen zum Empfang bei der Gemeinde Garrel am Schützenfestmontag 2019]
[Foto 177: Zur Tradition am Schützenfestmontag gehört auch die Kranzniederlegung am Kriegerehrenmal]
Der anschließende Frühschoppen ist eines der Highlights für unsere Schützenschwestern und Schützenbrüder. Hier werden die Beförderungen ausgesprochen oder besondere Ehrungen bekanntgegeben.
[Foto 179: Nach der Gefallenenehrung folgt der Frühschoppen im Festzelt – eines der Highlights des Wochenendes]
Nachmittags werden die Majestäten in Pferdekutschen mit einem großen Festzug, an dem auch die Nachbarvereine teilnehmen, zur feierlichen Inthronisation zum Festplatz geleitet. Nach der Überreichung der Insignien findet im Festzelt der große Königsball mit Musik und Tanz bis in den Morgen statt.
Schützenfeste auswärts in nah und fern
Schon zu Zeiten des Kriegervereins ist es üblich, in jedem Fall aber seit dem Beitritt zum Oldenburgischen Kriegerbund, dass Abordnungen aus Garrel umliegende Feste besuchen, auch die Amtskriegerfeste (heute wäre das ein Bezirksschützenfest) und Bundeskriegerfeste. Mit den Nachbarvereinen aus Beverbruch/Nikolausdorf, Varrelbusch, Kellerhöhe und seit 1993 auch mit Petersdorf pflegt die St.-Johannes-Schützengilde jahrzehntelange, enge, kameradschaftliche Kontakte. Mit großen Teilnehmerzahlen besuchen die Vereine sich gegenseitig auf den Schützenfesten und nehmen an Schießwettkämpfen oder ähnlichen Veranstaltungen teil. Das sind feste Bestandteile des Veranstaltungsjahrs der Garreler Schützengilde, zumal unser eigenes Schützenfest das Festjahr meist besiegelt und am Anfang eines Jahres die Vorfreude auf den Start der Saison, meistens in Beverbruch, besonders groß ist.
[Foto 013: Adjutant Niklas Standt meldet die Schützengilde Garrel in Varrelbusch an]
[Foto 758: Antreten zum Schützenfest in Beverbruch, hier mit Kompanieführer Kp. I Adolf Bremer]
Spätestens seit 1987, als August Nienaber Bezirkskönig wird und man mit einer großen Delegation zusammen zum Bundeskönigsschießen fährt, sicher aber in einzelnen Fällen auch schon vorher, nimmt Garrel regelmäßig mit großen Delegationen an Bundesfesten und Jungschützentagen teil. Dabei ist die Beteiligung am Festumzug meist nur ein Tagesordnungspunkt von vielen.
[Foto 750: Klassenfahrt-Feeling bei der Anreise zum Bundesfest 2025]
[Foto 751: Antreten zum Umzug des Bundesfests]
[Foto 161: Stellvertretender Brudermeister Stefan Meyer mit dem Bundeskönig 2023 Michael Kaul]
Nicht selten wird die Fahrt auch für Besuche kleinerer Schützenfeste in der Nähe genutzt, um neue Kontakte zu knüpfen und den Durst der langen Fahrtstrecke zu stillen.
[Foto 752: Zwischendurch braucht es am Bundesfestwochenende einmal etwas kühle Stärkung]
