Zum Schützenfest 1979 widmete die NWZ der Geschichte der Garreler Königskette beinahe eine ganze Seite. Willi Bremer, damals Präsident, wurde gebeten, die Hintergründe dieses Traditionsgegenstands zu erklären.
Als Zeichen seiner Würde habe der König seit je her eine wertvolle Kette getragen, die Königin meist eine Krone oder ein Diadem. Die Chronik berichte, so Bremer, erstmals 1906/1907 von einer Königskette, als Heinrich Thoben und seine Frau Johanna das Schützenvolk anführten. Diese Kette sei 1920 gestohlen worden und auch nicht wieder aufgetaucht.
Danach wurde eine neue Kette beschafft, deren erster Träger 1924 Karl Tabeling gewesen sei. Zur Königin hatte er sich damals Grete Neumeister erwählt. Aus dem Diebstahl von 1920 hatte man im Verein offenbar gelernt: Spätestens seit 1914 musste die Kette gleich nach dem Schützenfest abgegeben werden, 1928 zum Beispiel bei Heinrich Meyer (Bahnhof, „Hönnig“). Die Kette wurde beim damaligen Vorsitzenden Theodor Nienaber aufbewahrt, der im Zuge der Kampfhandlungen um den Ort Garrel im April 1945 ums Leben kam. Als sein Haus in diesen Tagen abbrannte, wurde auch die Kette teilweise zerstört und das „wertvolle Brustschild ging verloren“. Allerdings konnte auch viele Königsorden aus dem Schutt gerettet werden. 1979 hätten noch drei Träger dieser alten Kette gelebt: Aloys Drees (Kaifort), Heinrich Timmermann (Amerika) und Heinrich Meyer (Vor dem Forde).
[Foto 150 König 1937 Georg Thole mit der 1945 verbrannten Königskette]
Die dritte Kette des Vereins wurde also 1950 angeschafft, bestückt mit den geretteten Orden der alten Kette. Erster Träger war König Heinrich Rottinghaus mit seiner Ehefrau Dora. Doch auch dieser Kette war kein langes Leben beschieden, als sie nach 26 Jahren, bestückt mit 47 wertvollen Orden, Zunftzeichen und Anhängern der Ex-Könige, wiederum bei einem Brand beim damaligen König Georg Kemper am 29. April 1977 verbrannte.
[Foto 209: König 1975 – Paul Vossmann mit kurz darauf verbrannter Königskette]
Die Königskette konnte zwar aus der Brandruine gerettet werden, jedoch nur als geschmolzener Klumpen. Der wurde anschließend von Helmut Vormoor und Clemens Nording mit Gießharz vergossen und hängt heute noch, in ein Holzkreuz gefasst, neben dem Kamin der Schützenhalle.
[Foto 146: Die geschmolzene Kette, nach 1977 in Harz gegossen]
1977 entstand nun die vierte Kette des Vereins, diesmal vor allem durch das Engagement der Vereinsmitglieder Behrens und Sandhaus, die die verlorenen 47 Orden nachfertigten. Am 19. August 1977 wurde sie von Präses Pf. Diekmann geweiht und anschließend Georg Kemper übergeben, der somit sowohl die verbrannte Kette, als auch später die neue Kette, die heute in einem Schaukasten der Schießhalle aufbewahrt wird, trug.
[Foto 142: König 2016 Manfred Diek trägt die von 1977 bis 2018 gültige Königskette]
Bis 2018 ist die Kette von 1977 also 41 Jahre in Gebrauch und schließlich entsprechend schwer. Durch ihre Machart fordert sie dem Träger bzw. der Trägerin viel Kraft ab. Auch in diesem Zusammenhang beschließt die Gilde dann, zu 2019 eine neue Königskette durch den Goldschmiedemeister Peter Goeth anfertigen zu lassen. Ziele sind ein neues Design, neuer Platz für Königsnamen, aber auch eine angenehm zu tragende Form der Kette, die den Träger entlastet. Königin Sabine Otten ist schließlich die erste Trägerin nach der Einsegnung durch Präses Pfarrer Paul Horst in der Kirche.
[Foto 271: Goldschmiedemeister Peter Goeth überreicht 2019 die neue Königskette]
[Foto 272: Die neue Königskette von Goldschmiedemeister Peter Goeth]
