Historie 1950-1976

Neubeginn und Wiederaufbau (1950-1976)

1950er

Am 4. Juni 1950 wird die Schützengilde Garrel als Nachfolger des ehemaligen Kriegervereins, dessen Mitglieder den Neustart in die Wege leiten, mit anfangs 28 Mitgliedern gegründet.1 Die Chronik von 1976 berichtet sogar von 47 Mitgliedern. Als Ziele schreibt man sich die Förderung des Schießsports, die Pflege des Brauchtums, die Treue zur Heimat und das Bekenntnis zum christlichen Glauben sprichwörtlich auf die Fahnen. Der Jahresbeitrag beträgt anfangs 1,- DM. 

Der Verein wird in vier Züge unterteilt. Der Zug Peterswald wird von Bezirksvorsteher Josef Sangmeister geführt, Hinter dem Vorde von Gemeinderatsmitglied Josef Otten, Kaifort von Landwirt Franz Aumann und Tweel-Tannenkamp von Gemeinderatsmitglied Bernhard Schönig (ggf. auch Schöning). Erst 1960 kommt der Zug Ort hinzu.

Der Vorstand wird zur Neugründung gebildet aus dem Vorsitzenden Josef Bley, dem stellv. Vorsitzenden Bürgermeister Bernard Breckweg (oder dem jeweils amtierenden Bürgermeister), Schriftführer Gemeindedirektor Josef Behrens und Stellvertreter Zimmerermeister Heinrich Meyer, Kassierer Bernhard Bohmann und Stellvertreter Landwirt Josef Bley (vormals Josef Lübben), Waffenmeister Josef Lamping und Stellvertreter Gerhard Lübben. Weitere Vorstandsmitglieder waren Zugführer Peterswald Josef Sangmeister, Josef Bremer, August Tapken und weitere. Erster Kommandeur wird Willi Klümann, erster Adjutant Josef Otten.

[Foto 200: 1. Vorsitzender 1934-1969 Josef Bley]

Als weitere Gründungsmitglieder werden aufgeführt: Gerhard Höffmann, Wilhelm Oldehus, Heinrich Nienaber, Hermann Nordenbrock, Wilhelm Bremer, B. Schling, A. Oltmann, A. Feldhaus, J. Thoben, G. Thole, J. Rickwärtz, A. Vohsmann, J. Vohsmann, B. Hülskamp, H. Bley, B. Speckmann, Fr. Behrens, H. Timmermann, J. Otten, H. Torbecke, J. Behrens, H. Lübben, B. Lübben, J. Lübbe.

[Foto 042: Protokoll der Gründungsversammlung 1950, Seite 1]

[Foto 043: Protokoll der Gründungsversammlung 1950, Seite 2]

Nach der Neugründung gelangt der Verein schnell zu neuer Blüte und die Mitgliederzahl steigt stetig an. Die Schützenfeste werden wieder jedes Jahr veranstaltet. Der erste König der wiedergegründeten Gilde ist 1950 Heinrich Rottinghaus.

[Foto 208 König 1950 – Heinrich Rottinghaus war der erste König nach der Neugründung]

Schon kurz nach der Neugründung wird Zugführer Josef Sangmeister dann stellvertretender Vorsitzender, er bleibt der Gilde in verantwortlichen Positionen lange erhalten. 1952 wird der Verein dann „St.-Johannes-Schützengilde Garrel“ benannt, nach dem heiligen Johannes, dem ältesten Kirchenpatron Garrels.

Aus dem Jahr 1950 datiert auch die Errichtung der Kriegergedächtniskapelle auf dem Friedhof, in der namentlich an die Opfer der Weltkriege erinnert wird. Idee und Umsetzung lagen ganz wesentlich in den Händen der ehemaligen Kriegervereinsmitglieder beziehungsweise nun dem Schützenverein. Hiervon haben sich auch noch die Baupläne in den Unterlagen des ehemaligen Vorsitzenden G. H. Meyer („Hönnig“) erhalten:

[Foto 021: Baupläne für die Kriegergedächtniskapelle 1950, erhalten in der Familie „Hönnigmeyer“]

Bereits 1955 schafft man eine neue Krone für die Königin an. Festwirt ist damals Paul Emke aus Garrel, der einen Pachtpreis von 1.000,- DM zahlt. 1956 wird Willi Bremer, der spätere 1. Vorsitzende ab 1969, als Kassierer in den Vorstand gewählt. Er führt dieses Amt bis 1969 aus. Sein Stellvertreter wird Hermann Nordenbrock. Ab 1957 wird erstmals ein Kinderschützenfest gefeiert; den Titel sichert sich Hermann Meiners.

[Foto 020: Kinderkönig Hermann Meiners 1957]

Auf dem Foto zu sehen: Kutscher Alfons Bley, stehend Kinderkönig Hermann Meiners, sitzend rechts Vorsitzender Josef Bley, sitzend links Adjutanten Ignatz Kramer und Georg Lübben.

[Foto 008: Hermann Meiners, Kinderkönig vor 69 Jahren]

Auch heute noch erinnert sich Hermann Meiners gut an 1957. In einem Telefonat mit Christoph Penning am 14.04.2026 schildert er die Ereignisse:

„Damals durfte die letzte Volksschulklasse erstmals an einem Kinderkönigsschießen teilnehmen. Da ich aber gerade erst zum CAG gewechselt war, war es eigentlich nicht vorgesehen, dass ich mitschieße, bin dann aber einfach hingegangen. Beim Kinderkönigsschießen, das von Lehrer Josef Lamping organisiert wurde, aus meiner Erinnerung möglicherweise in der Kaiforter Gaststätte „Bartus“, war ich also nur Zaungast. Zum Ende der Veranstaltung fragte ich dann nach, ob ich auch einmal mitschießen dürfe, woraufhin Lamping dann zustimmte. Mit einer 10 und einer 9 war ich genau einen Ring besser als meine Konkurrenten und wurde damit der erste Kinderkönig. Zuhause war die Überraschung dann doch groß, weil keiner damit gerechnet hatte, ich ebenso wenig. Beim Schützenfest wurde ich dann nicht von der Kutsche zuhause abgeholt, das war 4km aus dem Ort raus, sondern bin etwas weiter im Dorf zugestiegen – wo genau, weiß ich heute nicht mehr. Wir sind dann mit Pferd und Kutsche durchs Dorf zum Festplatz gefahren. Das Foto von damals zeigt mich wahrscheinlich, als ich die Rede als Kinderkönig am Platz hielt. Als Geschenk hat es wohl eine Armbanduhr gegeben, aber das kann ich nicht mehr genau sagen. Danach war dann schon der offizielle Teil beendet und wir haben noch zusammen gefeiert.“

1957 beschließt die Generalversammlung in namentlicher Abstimmung den Kauf eines 6.000qm großen Grundstücks an der Varrelbuscher Straße, gegenüber der evangelischen Kirche, um dort künftig eine Schießhalle mit Festplatz zu errichten. 1959 wird der Kauf dann auch vollzogen. Doch trotz weitreichender Pläne wird hier aufgrund der Flurbereinigung keine Schießhalle mit Festplatz errichtet Damit und mit dem Schießhallenbau befasst sich ein späteres Kapitel näher.

1960er 

Im Jahr 1960 wird der „Zug“ Ort gegründet, heute die Kompanie V Ort, und dem Namen der Schützengilde folgt nun nach der Eintragung ins Vereinsregister beim Amtsgericht Cloppenburg ein „e. V.“. Festwirt ist damals weiterhin Paul Emke. Im gleichen Jahr verstirbt Präses Pfarrer Conrad Landgraf im Oktober, dem knapp ein Jahr später Pfarrer Josef Arlinghaus folgt. Seit 1961 übernimmt die Feuerwehr erstmals das Kassieren der Eintrittsgelder beim Schützenfest. In diesen Jahren ist es auch weiterhin üblich, neben dem Königsschießen große Preisschießen zu veranstalten, die viele Besucher anziehen, unter anderem im Vereinslokal und in den Kompanielokalen. Zur Mitgliederversammlung im Jahr 1966 im neuen Vereinslokal Niemann (heute „Schäfer“) kann der Vorstand von 276 Mitgliedern berichten, 1968 sogar schon von 367. 1967 wird der Mitgliedsbeitrag schließlich auf 6,- DM erhöht. 

1968 ist insofern eine Zäsur innerhalb der Gilde, da sich in diesem Jahr die Kompanie III Hinterm Forde/Kammersand als erste geschlossene Einheit des Vereins Schützenjacken anschafft und damit die heute bekannte Uniform in ähnlicher Form Einzug erhalten. 

[Foto 044: Rechnung für die ersten Schützenjacken für die Kompanie III]

Auch 1969 bedeutet einen Umbruch in der Vereinsgeschichte: Unter Wahlleitung von Gemeindedirektor Franz Wiese gibt Josef Bley den Vorsitz nach 34 Jahren aus gesundheitlichen Gründen ab. Wilhelm Bremer wird zu seinem Nachfolger gewählt, Josef Sangmeister bleibt stellv. Vorsitzender. Hermann Nordenbrock wird Kassierer, Josef Kemper sein Stellvertreter. Für den verstorbenen Josef Behrens wird Josef Tebben neuer Schriftführer, Stellvertreter wird August Tapken. 1969 werden auch die Mitgliedereinzugsgrenzen der Kompanie Ort final festgelegt.

[Foto 199: 1. Vorsitzender 1969-1979 Wilhelm Bremer]

Bei der Generalversammlung 1970 erläutert Franz Wiese die Planung zum neuen Kriegerehrenmal, ein Thema, das zunächst den Kriegerverein und nun auch die Schützengilde stets begleitet. Der Vorgängerbau war zu dieser Zeit bereits abgerissen. 

1970er

Der langjährige stellvertretende Vorsitzende Josef Sangmeister tritt schließlich 1972 zurück, zu seinem Nachfolger wird Paul Holthaus gewählt, Josef Kemper zum Kassierer, Paul Wendeln zu seinem Stellvertreter. Heinrich Nienaber, der später die Chronik zum Jubiläum 1976 schreiben wird, wird Schriftführer. Der Mitgliedsbeitrag erhöht sich nun auf 10,- DM. 1972 wird auch der Präses Pfarrer Arlinghaus verabschiedet, dem 1973 Pfarrer Alfons Diekmann folgt. Im gleichen Jahr erscheint auch die erste größere Chronik der Gemeinde Garrel, in der die Schützengilde Garrel ebenfalls Platz findet. Darin ist auch zu lesen, dass die Gilde 1972 362 Mitglieder hatte und damit der größte Verein der Gemeinde war. Seit 1974 wird das Garreler Schützenfest dreitägig gefeiert, sodass das Fest bereits samstags eröffnet wird. 1975 wird Paul Voßmann dann neuer stellvertretender Schriftführer, Paul Drees neuer Schießmeister, Josef Rolfes Stellvertreter. 

Schon einige Zeit vorher wirft das Jubiläumsjahr 1976 – 100 Jahre St.-Johannes-Schützengilde Garrel – seine Schatten voraus. Auf der Generalversammlung im Februar kann der Vorsitzende Willi Bremer 76 Schützen begrüßen, die sich über einen Überschuss in Höhe von rund 2.100,- DM freuen, trotz hoher Ausgaben in Höhe von 18.832,61 DM. Dort wird auch beschlossen, dass fortan bei allen öffentlichen Veranstaltungen die Uniform getragen werden soll, außerdem, dass die Kompanien nun für die Instandhaltung der Gewehre zuständig sind. Eine besondere Ehrung erhält in diesem Jahr das älteste Vereinsmitglied Heinrich Thoben, der mit seinen 95 Jahren bereits vor 70 Jahren, also 1906, König der Gilde war. Besondere Höhepunkte zum Jubiläumsfest 1976 unter dem Motto „Treu zur angestammten Heimat“ sind das Kaiser- und Königsschießen, der Festgottesdienst mit der Jagdhornbläsergruppe, das Wunschkonzert und der große Festumzug. Zum Jubelfest gehört auch damals schon das Kaiserschießen, das Josef Kemper (Schlichtenmoor) für sich entscheidet.

[Foto 206: Kaiser 1976 – Josef Kemper]

Der Musikverein begleitet schon damals das Fest an allen drei Tagen. Auch Landrat Georg Bührmann ist vor Ort und überbringt seine Glückwünsche. Schriftführer Heinrich Nienaber erstellt die erste bekannte Chronik der Gilde und der Verein wächst in diesen Jahren auf nunmehr 650 Mitglieder an.

Den Vorstand im Jubiläumsjahr bilden Vorsitzender Willi Bremer, stellv. Vorsitzender Paul Holthaus, Schriftführer Heinrich Nienaber, stellv. Schriftführer Paul Voßmann, Kassierer Josef Kemper, stellv. Kassierer Paul Wendeln, Präses Pfarrer Alfons Diekmann, Kommandeur Willi Klümann, Adjutant Josef Otten, Schießmeister Paul Drees und Stellvertreter Josef Rolfes, Waffenmeister Bernhard Pleiter und Stellvertreter Herbert Weimann und die Fahnenträger Herbert Otten, Franz Otten, Gerd Göken sen. mit Stellvertreter Alfons Behrens. 

[Foto 198 Hauptvorstand im Jubiläumsjahr 1976. Von links nach rechts: Paul Wendeln, Josef Kemper, Heinrich Nienaber, König Paul Vossmann, Willi Bremer und Paul Holthaus]

1 NWZ v. 24.08.2001.

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